Forschung

Publikationen, Lebenslauf, Forschungsaktivitäten, Lehrveranstaltungen als PDF

Forschungsprojekte

  1. Transnationale Dramengeschichte (1750–1850)
    Aufbauend auf meiner komparatistischen Monographie zur Komik in Text und Musik der Komödie in Deutschland konzentriert sich mein nächstes Projekt auf populäre Dramen um 1800. Es untersucht anhand zeitgenössischer Sammlungen, wie stark das Theaterrepertoire jener Zeit durch transnationale Wechselwirkungen auf dem Gebiet französischer und italienischer Singspiele oder englischer Dramen geprägt war. Im Mittelpunkt steht die Verbindung von Aufführungspraxis, Repertoirebildung und medialer Vermittlung durch gedruckte Sammlungen oder Inszenierungen. Erstmals sollen die meistgespielten Werke dieser Zeit – wie etwa Zémire et Azor (Die Schöne und das Biest), Der Barbier von Sevilla oder Dramen von Kotzebue, Schröder, Coleman, Amalie von Sachsen und Johanna Franul von Weißenthurn – als Kontext der Dramatik des Sturm- und Drang, der Klassik und der Spätaufklärung, sowie der romantischen Erzählliteratur verstanden werden.
    Teilprojekte:
    • Edition von populären Dramentexten
      je 20-30 Dramen: Libretti der Hamburger Gänsemarktoper um 1700, Singspiele des Lepoldstädter Theaters um 1800, Sentimentale Dramen des Burgtheaters um 1800
    • Reintegration von Dramatikerinnen in das kulturelle Feld
      Erfassung der Dramenproduktion, Analyse der ästhetischen und thematischen Strategien, Reintegration in die medialen Praxis des Theaters zwischen Text, Aufführung und Rezension.
    • Semantischer Wandel in der Moralsprache des deutschsprachigen Dramas von 1650-1830 – erste longitudinale, empirische Testung der Theorien von Koselleck und Luhmann, Anwendung zur Beschreibung von Dramengeschichte
       DFG-Sachbeihilfe im Rahmen der DFG-Forschungsgruppe “Semantic Shifts in Low-Resource Domains: Computational Humanities and Natural Language Processing in Dialogue”.Vollantrag positiv begutachtet im Januar 2026.


  2. Digitale Erschließung, Edition und Exploration des Nachlasses Martin von Wagners
    Erschließung, Edition und komplexe digitale Modellierung von Grafiken, archäologischen Sammlungsobjekten, kunstgeschichtlichen Schriften und Sammlungszeugnissen aus dem Kosmos der Deutschrömer, der Weimarer Klassik und im Umfeld Ludwigs des I.,
    Von der wissenschaftlichen Kommission der Akademienunion mit Nachdruck zur Förderung empfohlen; Entscheidung der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz im Dezember 2026.
    Vorstudien zur digitalen Bildanalyse zusammen mit Tabea Schmitt (Masterarbeit); Damian Dombrowski/Jochen Griesbach-Scriba/Katrin Dennerlein Ausstellung Fragment und Ganzes, Verantwortung für den Bereich Ideengeschichte in Klassik/Klassizismus und Frühromantik, Herbst 2027

  3. Koloniale Mobilität und ihre Folgen
    Mobilität hat Folgen für Menschen und Umwelt. Koloniale Mobilität verändert Räume, greift in Mensch-Umwelt-Beziehungen ein und kann weitere, auch erzwungene Mobilitäten auslösen. Literatur macht diese Folgen erfahrbar und bewertbar. Mich interessiert, wie dabei Mobilität und Stillstand, Wahrnehmung und Wissen miteinander verbunden sind. Das Korpus umfasst deutschsprachige Texte vom späten 19. bis ins 21. Jahrhundert: von Frieda von Bülows Am anderen Ende der Welt und Duala Misipios Der Junge aus Duala (1930) über Uwe Timms Morenga (1978) als Brückentext zur postkolonialen deutschsprachigen Literatur bis zu Philomène Atyames Abengs Entscheidung (2002), Gerhard Seyfrieds Herero (2003), Alex Capus’ Eine Frage der Zeit (2007), Christof Hamanns Usambara (2007), Ludwig Fels’ Die Hottentottenwerft (2015) und Mirrianne Mahns Issa (2024).
    Untersucht wird zum einen, wie Wissensbestände die Wahrnehmung kolonialer Räume strukturieren und wie sich extreme Bedingungen körperlich auf die Wahrnehmung auswirken. Im Zentrum stehen dabei narrative Verfahren wie Fokalisierung und Wiederholung sowie Metaphorik und die indirekte Aktivierung vorausgesetzten Wissens. Zum anderen richtet sich der Blick auf more-than-human mobilities: Tiere, Pflanzen, Dinge und atmosphärische Phänomene bewegen sich oder werden bewegt und machen die ökologischen Folgen kolonialer Expansion sichtbar. Als Elemente literarischer Gestaltung haben diese Bewegungen zugleich eine Bedeutungsfunktion, weil sie menschliche Mobilität spiegeln, kontrastieren oder bewerten. Ansätze des Ecocriticism ermöglichen es, diese Bewegungen als Teil komplexer Mensch-Umwelt-Beziehungen zu analysieren.

  4. Analyse von Leselisten an nordamerikanischen und kanadischen Universitäten (im Vergleich zu Leselisten deutschhsprachiger Universitäten)
    Aufsatz für IASL, Fertigstellung im April 2026, Mitarbeiter: Philipp Bauer (Bachelorarbeit)

Abgeschlossene Projekte